Schwerpunktthema

Ab dem 6. März 2020 stand Spitex Schweiz im ständigen Austausch mit den Kantonal­verbänden. Die Geschäftsstelle hatte sich so rasch als möglich organisiert und richtete eine regelmässige Informations-Mail an die Kantonalverbände sowie eine Kontaktmailadresse für die Spitex-Kantonal­verbände ein. Damit hat die Geschäfts­stelle eine wichtige Triage-Funktion übernommen und die grosse Menge an vorerst wenig strukturierten, aber sehr wichtigen Informationen gebündelt und den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

Die Spitex-Organisationen haben wesentlich zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie beigetragen. In erster Linie ging es darum, die Kernleistungen in der Pflege und der Betreuung aufrecht zu erhalten und damit Arztpraxen, Spitäler und Pflegeheime zu entlasten. Andererseits ging es aber auch darum, Schutzmassnahmen zugunsten der Klientinnen und Klienten sowie der Mitarbeitenden zu treffen.

Während der ersten Welle ab Anfang März standen sehr viele Abklärungen zu Rechtsfragen, Hygiene-Standards (Anwendung des Schutzmaterials) und Lieferengpässen bei Schutzmaterial an. Im Hinblick auf die zweite Welle ab Herbst standen aufgrund akuter Personalengpässe und der massiven Belastung des gesamten Gesundheitssystems Fragen zu Quarantäne­regelungen und später dann zum Testen und den Impfvorbereitungen im Zentrum.

Es wurden institutionalisierte Treffen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), den Armee- und Zivilschutzbehörden, der Gesundheits­direktoren­konferenz (GDK) und Swissnoso etabliert. Daneben fanden zahlreiche virtuelle Austausch-Treffen, Telefonate und E-Mail-Verkehr mit Fachpersonen der Behörden, anderen Leistungserbringer-Verbänden und dem Arbeitgeberverband statt.

In Zahlen ausgedrückt sah das Jahr mit Corona für die Spitex folgender­massen aus:

  • Mehrere Hundert E-Mails von Spitex-Organisationen und Kantonalverbänden sind eingegangen, die meisten erforderten entsprechende Abklärungen bei weiteren Fachpersonen.
  • 1 bis 3-mal wöchentlich wurden Informationsmails von der Geschäftsstelle an die Spitex-Kantonal­verbände versendet (zu Beginn der Pandemie täglich).
  • Während der ersten Welle wurde ein umfassendes FAQ-Dokument erstellt, regelmässig aktualisiert und mitgesendet. Es beinhaltete Fragen und Antworten zu Rechtsfragen bzgl. Personal­einsatz, zu den Personal­prozessen, zur Ausbildung von Lernenden, zur Abgeltung von Leistungen und Arbeitsprozessen, zum Material, zu den Finanzierern (Versicherer und Restfinanzierer). Das Dokument war teilweise knapp 30 Seiten lang.
  • 3-mal mehr Medienanfragen wurden bearbeitet und ein Faktenblatt speziell für die Unterstützung der Organisationen bei der Medienarbeit erstellt.
  • Diverse Umfragen wurden bei den Spitex-Kantonalverbänden durchgeführt. Diese Umfragen dienten dazu, ein möglichst klares Bild der Situation in der gesamten Schweiz zu erhalten, zu Themen wie der Pflege von Covid-Patientinnen und Patienten durch die Spitex, der Gesundheit des Personals und zu Personalengpässen, zu Materialengpässen, zur Einbindung in die kantonalen Krisenstäbe, zu konkreten Pflegeeinsätzen vor Ort usw. Dieses Bild war und ist wichtig, um national Aussagen machen zu können, nicht zuletzt bei Medienanfragen.
  • Die Pflege zu Hause leistete während der Pandemie einen unbestritten wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der pflegerischen Grund­versorgung und des gesamten Gesundheitssystems. Dieser Beitrag verursachte auch Kosten in der Pflege und Unterstützung zu Hause. Die Covid-19-bedingten Kosten fielen nicht in allen Kantonen und Organisationen gleichermassen an und standen in Zusammenhang mit der pandemischen Betroffenheit der Kantone.
  • Das «Spitex Magazin» veröffentlichte mehrere Berichte rund um die Bewältigung von Covid durch die Spitex-Organisationen.
  • Auf der Geschäftsstelle waren insgesamt 6 Personen (d.h. die halbe Belegschaft) intensiv in die regelmässige Arbeit rund um Covid involviert.

Vorwort

Die Welt ist seit Corona nicht mehr die gleiche wie vorher. Die Gesellschaft wurde und wird immer wieder herausgefordert. Nebst Corona war ein anderes Wort plötzlich in aller Munde: Systemrelevanz. Die Pflege ist und bleibt systemrelevant, das ist nun allen bekannt. Und: die Spitex ist wichtiger denn je, das hat die Pandemie gezeigt.

Spitäler werden entlastet

Die Spitex-Organisationen leisten seit März 2020 gemeinsam mit Hausärzten, Spitälern, Heimen, Apotheken und weiteren Akteuren in der ganzen Schweiz einen wichtigen Beitrag, um die Corona-Pandemie zu bewältigen. Unsere Fachpersonen versorgen tagein, tagaus in der ganzen Schweiz Menschen mit oder ohne Covid-19 zu Hause und entlasten so die Spitäler.

Infiziert und dennoch zu Hause gepflegt

Wir nahmen präventive Aufgaben wahr, pflegten an Covid-19 erkrankte Klientinnen und Klienten und kümmerten uns um deren Genesung nach der Erkrankung oder nach dem Spitalaufenthalt und stellten so die Nachsorge zu Hause sicher. Weiter trug die Spitex dazu bei, die Verbreitung des Virus einzudämmen, indem sie durch entsprechende Schutzmassnahmen ihre Mitarbeitenden und ihre Klienten stets schützte und immer darauf achtete, dass die Klienten die Hygienemassnahmen korrekt umsetzten. Unsere Fachpersonen kennen den Gesundheitszustand der Klienten, waren stets wachsam auf beginnende Covid-19-Symptome und trafen mit dem Arzt die nötigen Massnahmen, damit ein Spitaleintritt möglichst verhindert werden konnte. Sie pflegten und überwachten die an Covid-19 erkrankten Menschen zu Hause, auch in einer palliativen Situation.

Durch die behördlich angeordneten Kontakteinschränkungen waren die Spitex-Mitarbeitenden oft die einzigen Kontaktpersonen und boten den Klienten durch die meist täglichen Besuche (je nach Situation mehrmals täglich) auch in der Pandemie Sicherheit. Das war möglich, obwohl die Spitex-Organisationen selbst zusätzlich gefordert waren. In der ersten Welle fehlte das Schutzmaterial und in der zweiten Welle waren die Organisationen zusätzlich mit Personalengpässen konfrontiert. Mitarbeitende aus Risikogruppen konnten nicht arbeiten oder andere mussten selbst in Quarantäne oder Isolation gehen. Diese Umstände erhöhten den Arbeitsdruck zusätzlich.

Gut vernetzt und eingebunden

Während die Kantonalverbände die Spitex-Interessen rund um Covid-19 in den kantonalen Koordinations- und Krisenstäben vertraten, setzte sich Spitex Schweiz mit allen Kräften dafür ein, dass die Anliegen der Spitex im Parlament, beim BAG oder der GDK Gehör fanden. Wir forderten, dass Spitex-spezifische Merkblätter auszuarbeiten seien, dass die Spitex mit genügend Schutzmaterial einzudecken sei, die Covid-bedingten Zusatzkosten vollumfänglich zu übernehmen seien und das Spitex-Personal raschen Zugang zu Tests und Impfungen haben solle.

Das Zusammenspiel der Fachpersonen an der Front und die Verbandsarbeit auf nationaler und kantonaler Ebene waren zentral, um während der Pandemie eine umfassende Versorgung für unsere Klientinnen und Klienten zu Hause zu gewährleisten und bestmögliche Unterstützung für unsere Mitarbeitenden zu leisten. Dank der Bereitschaft und Flexibilität aller Beteiligten konnten wir die enorme Herausforderung meistern.

So war auch eine gute Zusammenarbeit unter den Leistungserbringern und deren Verbänden wichtig. Durch die Pandemie sind die Leistungserbringer wie Spitex, Hausärzte, Spitäler und Heime näher zusammengerückt, die interprofessionelle und koordinierte Zusammenarbeit über die Behandlungskette hinweg war unabdingbar und wurde gestärkt. Denn für eine Pandemiebewältigung braucht es alle.

An dieser Stelle soll nochmals allen Mitarbeitenden an der Front für den enormen Einsatz gedankt werden. Ein Dankeschön gilt unter anderem auch den Partnerverbänden Curaviva Schweiz, mfe, H+, ASPS und Senesuisse sowie den Behörden BAG, GDK und VBS für die gute Zusammenarbeit. Besonders gefreut haben uns die anerkennenden und interessierten Besuche von Bundesrätin Simonetta Sommaruga und Bundesrat Alain Berset bei den Spitex-Organisationen in Luzern und Bern.

Die Pandemie wird uns 2021 weiter beschäftigen. Niemand weiss, wo sich die Ziellinie genau befindet und wann dieser Lauf enden wird. Doch wir werden auf unsere wertvolle Erfahrung vom 2020 zurückgreifen können.

Editorial

Das vergangene Jahr hat uns alle zu Flexibilitäts-Profis gemacht. In der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule und auch mit Freunden war unsere mentale und organisatorische Beweglichkeit gefragt. Die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft kämpften damit. Wir mussten uns immer wieder an geänderte Regeln, neue Arbeitsweisen und andere Umgangsformen gewöhnen. Es erstaunt nicht, dass Ängste oder Unsicherheiten phasenweise die Hoffnung und die Zuversicht trübten. Gefordert war auch die Spitex. Was unseren Spitex-Organisationen im Arbeitsalltag immer wieder Halt gab und gibt, sind das Grundvertrauen, die wertvollen Erfahrungen, die Überzeugung, etwas äusserst Wichtiges zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu leisten. Auf stabiler Grundlage und sicheren Werten können Innovation, Offenheit und Neugier erfolgreich zur Geltung kommen. So kann die Zukunft gepackt, gestaltet, gemeistert werden.

Für die Spitex bedeutete dies beispielsweise, dass trotz vielen Unsicherheiten und ständig geänderten Rahmenbedingungen Projekte und Budgets gut, weit- und umsichtig geplant werden mussten. Dies forderte von allen ein grosses Mass an Agilität und Flexibilität. Die Krise hat uns allen gezeigt, wie wichtig stabile politische Verhältnisse sind, um gekonnt durch den Virennebel zu navigieren und auf Kurs zu bleiben.

Unsichere Zeiten und instabile Verhältnisse verlangen nach stabilen, bewährten Werthaltungen. Wir finden darin auch die Antworten zu den Fragen «Was ist uns wichtig und was brauchen wir?», um motiviert und leistungsfähig im Arbeitsalltag zu sein und auch um ein freud- und friedvolles Leben zu führen.

Innovationen, neue und schnelle Entwicklungen, die digitale Unterstützung im Alltag und die veränderten Abläufe sind herausfordernd. Ständig müssen neue Entscheide getroffen werden; immer wieder mal sind wir nahe an der Überforderung. Um sich besser zurechtzufinden, helfen klare Strukturen und wenige, aber einfache Grundsätze. Checklisten, Handlungsanweisungen, Orientierungshilfen und eben auch Wertordnungen sind nicht nur fürs Persönliche und Private hilfreich, sondern auch für unsere Organisationen. Deshalb lohnt es sich besonders in turbulenten Zeiten, kurz innezuhalten und sich auf Grundsätze zu besinnen. Vielleicht müssen Werte und Prinzipien überprüft und justiert werden. Aber wir dürfen sie nicht aus den Augen verlieren, denn sie sind unsere Leitplanken. Und die grosse Krise ist dann die Summe von vielen kleinen Herausforderungen, die wir so besser meistern.

Ich danke ganz besonders unseren fast 40’000 Mitarbeitenden in den Spitex-Organisationen. Sie haben im vergangenen Jahr eine enorme Flexibilität gezeigt und sie haben die Herausforderungen beeindruckend gemeistert. Trotz Covid-19 hat die Spitex tagtäglich zuverlässige, professionelle und empathische Arbeit in der ganzen Schweiz für viele Personen geleistet, die die Spitex brauchten und schätzten. Und Spitex Schweiz versuchte, dazu den hilfreichen Rahmen zu geben.

An dieser Stelle danke ich auch denjenigen, die diesen Rahmen der Spitex mitgestalten: den Kantonalverbänden und ihren Exponenten, dem Bundesamt für Sozialversicherung, unseren Sponsoren und Spendern und allen Mitarbeitenden der Geschäftsstelle.

Es braucht alle für eine Spitex für alle. Danke für das Wohlwollen, die Unterstützung und das Vertrauen. Sie sind unsere Grundlage auch für die Arbeit von morgen.